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Lernmittel

Lernmittelfreiheit

Das Sächsische Schulgesetz regelt die Lernmittelfreiheit an Schulen in öffentlicher Trägerschaft in §38: "In den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der Fachschulen hat der Schulträger den Schülern alle notwendigen Schulbücher leihweise zu überlassen, sofern sie nicht von den Eltern oder den Schülern selbst beschafft werden; ausnahmsweise werden sie zum Verbrauch überlassen, wenn Art und Zweckbestimmung des Schulbuches eine Leihe ausschließen."

Auch Kopien, Arbeitshefte und Druckwerke, die Schulbücher begleiten, ergänzen oder ersetzten, kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Andere Druckerzeugnisse sollen zunächst nach der bisherigen Verfahrensweise der jeweiligen Schule angeschafft werden. Die Rechtslage bei Taschenrechnern ist auf dieser Seite unten dargestellt.

Für alle übrigen Dinge sind die Eltern selbst verantwortlich. Dies sind zum Beispiel:

  • Schulranzen
  • Sportkleidung,
  • Hefte, Blöcke, Papier,
  • Stifte, Füller, Federmappe,
  • Zirkel, Lineale, Dreiecke,
  • sonstige Arbeitsmaterialien - dazu zählen auch Materialien für den Kunstunterricht, wie Farbstoffe und Zeichenpapier. Alternativ kann die Lehrerin Materialien besorgen und sich durch einen Pauschalbetrag von den Eltern erstatten lassen.  

 

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Verfahren der Beschaffung von Taschenrechnern

Wie ist die gegenwärtige Rechtslage?

Mit Urteil vom 2. Dezember 2014 (Az: 2 A 281/13) hat das Sächsische Oberverwaltungsgericht Entscheidungsgründe zur Erstattung von Auslagen für die Anschaffung von grafikfähigen Schultaschenrechnern dargelegt. Zur Frage der Auswirkung dieses Urteils fand am 23. April 2015 ein Gespräch der Kommunalen Spitzenverbände und des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus statt. Es besteht Einigkeit darüber, dass auf Grundlage der Urteilsgründe die Rechtsauffassung vertreten wird, dass entsprechende Taschenrechner als Lernmittel einzustufen und somit vom Schulträger kostenfrei bereitzustellen sind.

Eine Verschriftlichung der Rechtsauffassung in Form der Niederlegung innerhalb einer Verordnung oder Ähnliches ist derzeit jedoch nicht möglich. § 38 Abs. 2 SchulG ermöglicht gegenwärtig nicht die Aufnahme der Taschenrechner in die Lernmittelverordnung. Eine andere Verordnungsermächtigung steht nicht zur Verfügung. Das soll im Rahmen der Schulgesetznovelle erfolgen, die zum Schuljahr 2017/2018 wirksam werden soll.

Es wird als nicht zielführend angesehen, neue Rechtsstreite dazu zu führen. Letzten Endes liegt die Verantwortung für die Bereitstellung der Taschenrechner bei jedem Schulträger selbst.

Sowohl der Sächsische Städte- und Gemeindetag e. V. als auch der Sächsische Landkreistag haben ihre Mitglieder in entsprechenden Briefen vom 12. Mai 2015 bzw. vom 24. April 2015 darüber informiert. Das SMK hat die Schulen mit Schulleiterbrief vom 18. Mai 2015 zur Bereitstellung von Taschenrechnern zum Schuljahr 2015/2016 informiert.

Welcher Taschenrechner ist an allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien für den Unterricht auf der Grundlage der Bildungsstandards und der Lehrpläne sowie zur Ablegung der Abiturprüfung erforderlich?

Für allgemeinbildende Gymnasien ist ab Klassenstufe 8 zur Erfüllung des Lehrplans ein grafikfähiger Taschenrechner erforderlich. Der Lehrplan sieht zwar die Vermittlung von Kenntnissen zur Verwendung von CAS-Systemen vor, jedoch muss dies nicht notwendigerweise mit einem Taschenrechner mit CAS geschehen, vielmehr spricht der Lehrplan von „mathematischer Software in Form von Computer-Algebra-Systemen (CAS)“. Hierfür stellt der Freistaat Sachsen schon seit längerem Landeslizenzen bereit, die von den Gymnasien weiterhin kostenfrei genutzt werden können.

Für berufliche Gymnasien ist zur Erfüllung des Lehrplanes und für das Ablegen der Abiturprüfung ab Klassenstufe 11 mindestens ein grafikfähiger Taschenrechner ohne CAS erforderlich. Zur Vermittlung von Kenntnissen zur Bedienung von CAS-Systemen ist geplant, den Schulen entsprechende Software als Landeslizenz zur Verfügung zu stellen. Damit erfolgt zum Schuljahr 2915/2016 eine Angleichung der Regelungen an die des allgemein bildenden Gymnasiums.

In der schriftlichen Abiturprüfung ist als Hilfsmittel ein grafikfähiger, programmierbarer Taschenrechner mit oder ohne Computer-Algebra-System oder ein Computer-Algebra-System auf der Grundlage einer anderen geschlossenen Plattform entsprechend den getroffenen Festlegungen der Schule zugelassen.

Welche Zielstellung hat der Einsatz von CAS im mathematisch-naturwissen-schaftlichen Unterricht?

Computer-Algebra-Systeme haben die Anwendung der Mathematik und die mathematische Forschung in den letzten Jahrzehnten nachhaltig geprägt. Dieser Entwicklung kann sich ein zeitgemäßer und moderner mathematisch-naturwissenschaftlicher Unterricht nicht verschließen. Schüler sollen die Grundprinzipien und Arbeitsweisen eines CAS kennen. Der Einsatz von CAS unterstützt experimentelles, forschendes Arbeiten sowie das entdeckende Lernen. Die Erleichterung der Darstellung, Strukturierung und Analyse komplexer mathematischer Objekte erweitert die Möglichkeiten zur Bearbeitung von Problemstellungen.

Auch in den naturwissenschaftlichen Fächern lässt sich CAS zur Bearbeitung von Aufgaben sinnvoll nutzen, z. B. zur Auswertung von Messergebnissen. Durch die Verwendung von CAS lernen Schülerinnen und Schüler, ein zeitgemäßes Hilfsmittel sinnvoll einzusetzen, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wer entscheidet, welcher Taschenrechner am jeweiligen Gymnasium angeschafft wird?

Der Lehrplan für das Fach Mathematik besagt, dass „über die Auswahl der für den Einsatz der Software benötigten Hardware … die jeweilige Fachkonferenz unter Berücksichtigung der materiellen und schulorganisatorischen Bedingungen“ entscheidet.

In diesem Zusammenhang werden im Schulleiterbrief die Fachkonferenzen gebeten, die als notwendig befundenen technischen Parameter der anzuschaffenden Taschenrechner  für ihre Schule zu prüfen und dabei u. a. zu berücksichtigen, dass die Kosten für die Schulträger in vertretbaren Grenzen gehalten werden können. Dies vor allem dann, wenn technisch vergleichbare Produkte zu unterschiedlichen Preisen im Handel angeboten werden.

Können Eltern weiterhin den Taschenrechner für ihr Kind selbst kaufen?

Der Ausschuss für Gymnasien des Landeselternrates hat in seiner Sitzung am 9. Mai 2015 signalisiert, dass durchaus ein größerer Anteil von Eltern bereit sei, weiter die Kosten für grafikfähige Taschenrechner zu tragen. Dieser Teil der Eltern hat den Wunsch, dass der Taschenrechner weiter persönliches Eigentum der Schüler ist und auch nach der Schulzeit im Besitz der Schüler verbleiben sollte.

Eltern, die sich freiwillig für den Kauf eines Taschenrechners entscheiden, können dies natürlich - wie auch bei anderen Lernmitteln - jederzeit tun.

Wie soll bei der Beschaffung der Taschenrechner vorgegangen werden?

Für die konkrete Entscheidung für den an der Schule anzuschaffenden Rechner ist vor Ort eine unmittelbare Kommunikation zwischen allen Beteiligten notwendig. Das SMK empfiehlt, eine Abstimmung zwischen Schule, Eltern und Schulträger vorzunehmen. Gerade unter dem Aspekt der Kontinuität, besonderer pädagogischer Konzepte und auch wegen möglichen Wiederholern wird es aus Sicht des SMK nicht als sinnvoll angesehen, wenn der  Schulträger jedes Jahr andere Typen von Taschenrechnern anschaffen würde. Zudem haben die Gymnasien z. T.  sehr teure Zusatzgeräte angeschafft wie Projektionstechnik und vor allem Messtechnik für den naturwissenschaftlichen Unterricht, die bei einem Typwechsel des Taschenrechners nicht mehr nutzbar wäre.

Werden die allgemeinbildenden Gymnasien und die Beruflichen Gymnasien beim Taschenrechner ungleich behandelt?

Das ist nicht so. Das Berufliche Gymnasium wird beginnend mit dem Schuljahr 2015/16 ab Klassenstufe 11 die gleichen Anforderungen an Taschenrechner stellen, wie das allgemeinbildende Gymnasium. Die Lehrpläne werden entsprechend angepasst.

Ist geplant, am allgemeinbildenden Gymnasium die Verwendung von mathematischer Software in Form von Computer-Algebra-Systemen (CAS) abzuschaffen?

Das SMK muss das Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts zum Taschenrechner natürlich berücksichtigen. Dabei geht das SMK von der Notwendigkeit der Absicherung der Qualität eines zeitgemäßen Unterrichts in Mathematik und Naturwissenschaften aus. Ein faktisches Verbot moderner Mathematikwerkzeuge, wie es ein anderes Bundesland für sich entschieden hat, wird es in Sachsen nicht geben.

Wer muss Schadenersatz leisten, wenn ein Taschenrechner defekt oder unbrauchbar ist?

Hier gilt wie bei allen anderen Lernmitteln auch: Ausgeliehene Lernmittel müssen pfleglich behandelt werden. Sind bei der Rückgabe an den geliehenen Lernmitteln übliche Gebrauchsspuren festzustellen, muss kein Schadensersatz geleistet werden. Übliche Gebrauchsspuren sind Spuren, die trotz pfleglichen Umgangs mit einem Lernmittel und unter Berücksichtigung des Verwendungszeitraums einen unvermeidlichen Prozess der Abnutzung widerspiegeln, die weitere Verwendbarkeit des Lernmittels jedoch nicht beeinträchtigen und unter hygienischen Gesichtspunkten unbedenklich sind.

Bei Verlust oder Beschädigung sowie bei vorzeitigem Verbrauch oder unsachgemäßer Behandlung besteht Schadensersatzpflicht nach den gesetzlichen Bestimmungen. In solchen Fällen ist von dem Schadensersatzpflichtigen entweder die Bereitstellung des gleichen Lernmittels (Sacherstattung) oder eines Geldbetrages in angemessener Höhe (finanzielle Erstattung) zu verlangen.

Wer bestellt die Taschenrechner?

Dazu gibt es kein geregeltes Verfahren bzw. eine einheitliche Vorgehensweise. Die Bestellung von Lernmitteln erfolgt in der Regel durch die Schule im Rahmen des ihr vom Schulträger zugewiesenen Budgets im Einvernehmen mit dem Schulträger. Nach Zuweisung des Budgets erteilt die Schule den Auftrag über die Lieferung der erforderlichen Lernmittel.

Welche Veränderungen ergeben sich für die Fachoberschule?

Für Fachoberschulen ist ab Klassenstufe 11 bzw. für die Klassenstufe 12 L ein grafikfähiger Taschenrechner ohne CAS erforderlich. Dies bedeutet, dass die jeweiligen Schulträger verpflichtet sind, diese Taschenrechner den Schülern unentgeltlich, z. B. leihweise, zur Verfügung zu stellen.

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Sächsisches Landesrecht

Bild: REVOsax

Medieninformation des Sächsischen Oberlandesgerichts Bautzen vom 3. Dezember 2014

Fragen und Antworten zur Beschaffung von Taschenrechnern

© Sächsisches Staatsministerium für Kultus