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Forschen mit den »Schlaumäusen«

Bericht aus einem »Haus der kleinen Forscher«

Früher übergaben Eltern den Kitas Spielzeug zur Unterstützung, heute sind es Kaffeefilter, Pipetten oder Zitronensäure. Zu mindesten im „Haus der kleinen Forscher“ lösen solche Dinge Begeisterung aus, wie zum Beispiel in der Kita „Schlaumäuse“ des DIS Kinderfreude e.V. in Dresden.

Seit 2012 zählen die „Schlaumäuse“ zu den zertifizierten Einrichtungen der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Im Internet haben die Erzieherinnen darüber gelesen, erzählt Carola Rietzschel. Viele Mitarbeiterinnen hatten schon eine Weiterbildung der Stiftung besucht und informierten sich mit Fachliteratur. Daher entschloss sich die Kita selbst ein „Haus der kleinen Forscher“ zu werden. Das heißt, experimentieren mit den Kleinsten. Die Idee der Stiftung ist, dass die Förderung in naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Bereichen möglichst schon in den Kitas beginnt.

Forschen bei den „Schlaumäusen“ bedeutet, dass mit Zitronensäure, Natrium und Wasser kleine Raketen aus Ü- Eiern gebastelt werden. „Kommen die dann auch wieder runter?“, fragt einer der Kleinen. „Wir werden es sehen“, lautet die vorläufige Antwort der Erzieherin. Sorgfältig werden die Kapseln gefüllt und dann geht es schnell auf die Terrasse, um die kleinen gelben Eier fliegen zu sehen. Mit ein wenig Geduld und kräftigen Schütteln klappt das dann ganz gut. Es fängt an zu schäumen, stellen die Mädchen und Jungen fest. Dann bahnt sich das Gemischt aus der Hülle seinen Weg nach draußen. Den Kindern gefällt es und die Erzieherin ist begeistert, dass es funktioniert hat. Und wir stellen fest: Die Ü-Eier kommen wieder runter.


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Die Kita „Schlaumäuse“ hat einen eigenen Raum mit Forscherecke. Hier findet man alles, was das Forscherherz begehrt. An einen kleinen Tisch sitzen schon die nächsten Forscher bereit. Die Kinder haben Kaffeefilter vor sich liegen. Die Drei- bis Fünfjährigen malen mit Freude Schmetterlinge und Sonnen auf diese mit verschiedenen schwarzen Filzstiften. Dann geben die Kinder mit ihren kleinen Pipetten etwas Wasser auf ihre Bilder und die schwarze Farbe verschwimmt zu Blau, Rot und Violette. Nicht alle schwarzen Stift scheinen dieselben Farben zu enthalten. Wasser und Farben kommen bei den Kleinen immer gut an, damit experimentieren die Kinder am Liebsten, verrät Christin Werner. Auch Experimente die unter den Kategorien Sprudelgas oder Luft fallen, werden gerne in der Kita ausprobiert.

Ein weiteres Experiment hat den Titel „Der wacklige Wasserberg“. Bei diesem Versuch geben die Jungen und Mädchen, die im Sommer zur Schule kommen, Wasser in ein Glas bis zum Rand und lassen langsam  Münzen in das Glas hinab. Vorsichtig muss man dabei sein und konzentriert, damit das Glas bloß nicht zu zeitig überläuft. Sonst kann man den Wasserberg nicht sehen, der sich bildet.

Experimentieren steht in der Kita nicht nur an wenn Besuch kommt, sondern ist wöchentlich fest eingeplant neben Schwimmen und Fußball. Den Erzieherinnen ist es wichtig, dass das Forschen in den Alltag der Kinder wie selbstverständlich integriert wird. Die Mädchen und Jungen bekommen Raum, eigene Ideen zu entwickeln und selbstständig zu handeln. Die Sachen, die zum Experimentieren benötigt werden, sind meistens alltägliche Gegenstände, wie Pflanzenöl, Essig, Korken oder ein Sieb. Diese bringen dann die Erzieherinnen selbst mit oder die Eltern. Das Forschen in der Kita folgt nicht immer einen Plan. Mal werden Dinge mit auf den Tisch gelegt, die für das eigentliche Experiment nicht gebraucht werden. Die Kinder finden trotzdem einen Weg diese mit zu nutzen und daraus ergeben sich auch wiederum neue Ideen. Vulkane finden die kleinen Forscher besonders spannend, vor allen mit der Verbindung zu Dinosaurier. Dann gibt es noch die Flaschentornados, von denen man gar nicht genug haben kann. Außerdem wird auch mit Teebeutelraketen geforscht, so lange die kleinen Physiker noch nicht zum CERN können. Dabei stellte sich übrigens heraus, dass nicht jeder Teebeutel zum Fliegen geeignet ist. Erwachsende und Kinder gestalten bei dieser Methode den Lernprozess gemeinsam.

Das Ziel ist es, die Kinder richtig zu fördern, um ihre Sprachkompetenz und Sozialkompetenz zu stärken, sie an Selbstbewusstsein gewinnen und ihre Feinmotorik trainieren. Die Kinder sollen bei ihren Erkenntnisprozessen unterstütz werden und Erfahrungen sammeln. Beim Forschen sollen die Mädchen und Jungen die Möglichkeit bekommen Problemlösungskompetenzen zu entwickeln und Freude am Lernen haben. Die Erzieherinnen und Erzieher sorgen nicht nur dafür, dass unsere Jüngsten gut und sorgenfrei durch den Tag kommen, sie unterstützen die Kinder bei wichtigen Lernerfahrungen mit ihren pädagogischen Wissen und beruflichen Erfahrung. Der Erfolg der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ lässt sich vor allen auf die engagierte Arbeit der Fachkräfte in den Kitas zurückführen.

Am „Tag der kleinen Forscher“ nimmt die Kita natürlich auch teil. Im Frühjahr hatten sie schon einen, erzählt Carola Rietzschel. Alle Kinder und Erzieherinnen waren ganz weiß angezogen, passen zum winterlichen Thema und in jeden Raum gab es ein anderes spannendes Experiment, die die verschiedenen Gruppen dann durchführten. An solchen Tagen können auch die Eltern kommen und sehen, was ihre jüngsten tagsüber in der Kita so treiben. Sie seien dann immer ganz begeistert, wie selbstständig ihre Kinder beim Experimentieren handeln.

Die Weiterbildungen, die von der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ angeboten werden, seien immer sehr schön und lehrreich, berichtet Christin Werner. Sie ist auch die „Hauptforscherin“ der Kita „Schlaumäuse“ und nimmt zwei Mal im Jahr an den Workshops teil. Hier werden die Erzieher und Erzieherinnen wieder selbst zu kleinen Forschern. Sie führen Experimente durch oder überlegen, was man mit Alltagsgegenständen alles ausprobieren könnte. Hier bekommen sie neue Anregungen für ihre Arbeit mit den Kindern. Nebenbei können sie sich mit anderen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Einrichtungen austauschen. Die Workshops sind themenspezifisch angelegt. Luft und Wasser für die Einsteiger, Magnetismus und Elektrizität für die Fortgeschrittenen. Der Eindruck entsteht, dass die Erzieherinnen wirklich begeistert sind vom Forschen mit den Kindern.

Im Juni steht der nächste „Tag der kleinen Forscher“ an. An diesen werden die „Schlaumäuse“ auch wieder teilnehmen. Die Kita wird also auch in Zukunft weiter fleißig mit ihren Kindern forschen und spannende Sachen entdecken. Sie wollen ihr Angebot sogar noch ausbauen. Im Jahr 2016 strebt die Kita „Schlaumäuse“ an, sich zum dritten Mal zum „Haus der kleinen Forscher“ zertifizieren zu lassen.

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