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Migration und Schule

Bild: Wege der Integration

Anteil sächsischer Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund

Zu Beginn des Schuljahres 2015/2016 besuchten 25.671 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sächsische Schulen. Dies waren circa 6 Prozent der Schülerschaft. Bis Ende 2015 waren es mehr als 28.000 Schüler.

Die Anzahl der Migranten in Vorbereitungsklassen ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 70 Prozent gestiegen. Aktuell sind 530 Vorbereitungsklassen mit rund 9.200 Schülern eingerichtet (Stand: August 2016). Zum Schuljahresstart 2015/16 gab es 290 Vorbereitungsklassen. Die Schüler mit Migrationshintergrund kommen aus über 141 Ländern und bringen mit ihrer Zwei- und Mehrsprachigkeit eine wichtige Bildungsressource mit.

Sächsische Rahmenbedingungen für eine chancengerechte Bildung und Erziehung

Bildung ist in besonderer Weise für eine gelingende Integration von Bedeutung. So sind zum einen die Bildungseinrichtungen KITA und Schule wichtige Orte zur sozialen und gesellschaftlichen Integration.

Der Freistaat Sachsen hat umfangreiche Rahmenbedingungen für eine chancengerechte Bildung und Erziehung geschaffen. So ist das klar strukturierte Handlungskonzept  für alle Schularten, die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten vom 01.08.2000, die Grundlage für die schulische Arbeit und die unterstützenden Strukturen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • die besondere Schullaufbahnberatung durch die Schulaufsicht als Einstieg in eine begleitende professionelle Bildungsberatung an der Schule,
  • die Einrichtung von Vorbereitungsklassen/-gruppen und die schrittweise individuelle Integration in die Regelklassen,
  • das Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache  und eine systematische und schullaufbahnbegleitende sprachliche Bildung,
  • die Ausbildung und der Einsatz von ausgebildeten Betreuungslehrern, die für den schulischen und außerschulischen Integrationsprozess verantwortlich sind,
  • der herkunftssprachliche Unterricht und die Anerkennung der vorhandenen Zwei- und Mehrsprachigkeit als Bildungsressource.

In jeder Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur stehen die Koordinatoren für Migration und im Sächsischen Bildungsinstitut die Referentin für Migrationsfragen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Die Betreuungslehrer arbeiten als Berater, Mentoren und Integrationsbegleiter in den Schulen. Fachberater für Migration und Deutsch als Zweitsprache unterstützen die Arbeit der Schulaufsicht und der Schulen.

Wege der Integration

Für alle unter 18-jährigen Schülerinnen und Schüler besteht Schulpflicht. Als eine wichtige erste Maßnahme der Integration führt die Sächsische Bildungsagentur die besondere Bildungsberatung durch. Wichtig ist zu klären, wie die bereits begonnene Schullaufbahn in Sachsen fortgesetzt werden kann. Gemeinsam wird für den Schüler eine Schule gesucht, wobei meistens zuerst in einer Vorbereitungsklasse gelernt wird.

Für über 18-jährige (Ü18) Migranten gibt es verschiedene Wege der Integration. Ü18 Jährige, die ihren Bildungsweg auf dem ersten Bildungsweg fortsetzen möchten und das Abitur anstreben (z.B. weil sie im Herkunftsland kurz vor dem Abschluss standen oder bereits die Hochschulzugangsberechtigung erworben haben, die in Deutschland aber nicht anerkannt wird), können über ein schriftliches Antragsverfahren an einem ausgewiesenen Kolleg ihre Schullaufbahn fortsetzen. Der Schulleiter des Kollegs führt die besondere Bildungsberatung durch und trifft die Aufnahmeentscheidung. Die jungen Erwachsenen werden in eine Vorbereitungsklasse aufgenommen und schrittweise individuell in die reguläre Kollegausbildung integriert. Ü18 Jährige, die sich über Sprachkursangebote und spezifische Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung vorbereiten, benötigen keine besondere Bildungsberatung durch die Sächsische Bildungsagentur.

Sprachliche Bildung

Die sprachliche Bildung ist ein besonderer Schwerpunkt in der schulischen Integrationsarbeit. Die Ausgangsbedingungen der Schüler sind sehr verschieden. So wachsen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zum größten Teil zwei- und mehrsprachig auf, andere wachsen mit der Herkunftssprache der Familie auf und manche Kinder und Jugendliche kommen nach Sachsen und können noch kein Deutsch oder nur etwas Alltagssprache.

Kinder, die zwei- und mehrsprachig aufwachsen, haben einen Anspruch darauf, dass Schule dieses vorhandene Sprachpotenzial als Begabungspotenzial wahrnimmt und bestmöglich fördert. Deshalb wird u. a. herkunftssprachlicher Unterricht in 15 Sprachen (z.B. in Vietnamesisch, Arabisch oder Russisch) durchgeführt. Im Einzelfall kann die Herkunftssprache als Fremdsprache anerkannt werden.

Der Förderung der deutschen Sprache kommt eine besondere Bedeutung zu. Alltagssprache reicht für den Schulerfolg nicht aus, sondern es muss Bildungssprache vermittelt werden. In Sachsen wird deshalb das Fach Deutsch als Zweitsprache als reguläres Unterrichtsfach nach einem wissenschaftlich erprobten Lehrplan durch ausgebildete Lehrkräfte unterrichtet. Dieser Unterricht, beginnend ab der Klasse 1, ist die Basis für eine gleichberechtigte Teilnahme am Regelunterricht.

In Sachsen wurde mit der Lehrplanreform in den neuen Lehrplänen aller Fächer und Schularten die sprachliche Bildung als Aufgabe jedes Faches festgeschrieben. Zur Unterstützung dieses Anspruchs hat sich der Freistaat Sachsen von 2005 - 2009 am Modellprogramm "FörMig - Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund" mit dem Schwerpunkt "Sprachliche Bildung" beteiligt und sichert derzeit im Rahmen des Transferprogramms die Übernahme der innovativen Entwicklungen und Instrumente ab. Diesem Anliegen dienen z.B. die auf Initiative Sachsens entwickelten Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Primarstufe und Deutsch als Zweitsprache für die Sekundarstufe I, die Arbeit der Sprachberater oder die Etablierung von fünf Kompetenzzentren Sprachliche Bildung in Chemnitz, Dresden, Freiberg, Görlitz und Leipzig.

Kompetenzzentren Sprachliche Bildung - Kontakte

Kompetenzzentren Sprachliche Bildung

Dagmar Ebert und Maria Maier
Oberschule „Am Flughafen“
Usti nad Labem 277
09119 Chemnitz
Telefon: + 49 (0) 371 2712 0220
Fax: + 49 (0) 371 2712 0216
E-Mail: ms-amflughafen@schulen-chemnitz.de

Cornelia Hartig und Uta Reichel
101. Oberschule „Johannes Gutenberg“
Pfotenhauerstraße 42/44
01307 Dresden
Telefon: + 49 (0) 351 44039 190
Fax: + 49 (0) 351 44039 1935
E-Mail: kompetenzzentrum.101msdd@gmx.de

Katrin Meister
Freiberg-Kolleg
Bergstiftsgasse 1
09599 Freiberg
Telefon: + 49 (0) 3731 356 680
Fax: + 49 (0) 3731 203611
E-Mail: sekretariat@freiberg-kolleg.de

Birgit Liebig
Oberschule Innenstadt Görlitz
Elisabethstraße 13
02826 Görlitz
Telefon: + 49 (0) 3581 879 352
Fax: + 49 (0) 3581 879 353
E-Mail: kompetenzzentrum@goerlitz.de

Katja Bluhm
Appollonia-von-Wiedebach-Schule – Oberschule der Stadt Leipzig
Arno-Nitzsche-Straße 7
04277 Leipzig
Telefon: + 49 (0) 341 30824 690
Fax: + 49 (0) 341 30824 6924
E-Mail: katja.bluhm@wiedebachschule-leipzig.de

Ein weiterer Schwerpunkt für eine erfolgreiche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Übergang Schule/Beruf und die Erlangung höherer Bildungsabschlüsse. Im Freistaat Sachsen gelten deshalb die oben  genannten Rahmenbedingungen für Migranten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. An Beruflichen Schulzentren werden spezielle Vorbereitungsklassen mit berufspraktischen Aspekten eingerichtet, die die sprachlichen Grundlagen für die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung oder/und den Übergang in die Beruflichen Gymnasien oder die Fachoberschulen ermöglichen. Für junge Erwachsene, die im Herkunftsland bereits ein Studium aufgenommen haben, führt das Freiberg-Kolleg einen Sonderlehrgang zum Erwerb der Hochschulreife durch.

Um junge Menschen zum Erwerb höherer Bildungsabschlüsse zu motivieren, unterstützt der Freistaat Sachsen auch innovative Projekte, wie das START – Schülerstipendienprogramm für engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund der START-Stiftung gGmbH. Derzeit gibt es im Freistaat Sachsen 26 START-Stipendiaten.

Bildungsprozesse erfolgen in einem Zusammenspiel von vielen Bildungspartnern und an unterschiedlichen Bildungsorten; in der Familie, in der Schule, im Verein, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in den Veranstaltungen der Jugendmigrationsdienste und durch die Bildungsarbeit der Kirchen, Medien usw.

Der Zusammenarbeit von Eltern und Bildungseinrichtungen kommt ein hoher Stellenwert zu. Wichtig ist eine vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtung auch unter Einbeziehung von Sprach- und Kulturmittlern, z.B. durch die Vertreter der Migrantenorganisationen vor Ort oder durch die herkunftssprachlichen Lehrer. Mehrsprachige Elterninformationen, eine professionelle Elternberatung und aktive Elternmitwirkung tragen diesem Anliegen Rechnung.

Eine gelingende schulische Integration stellt sehr differenzierte Anforderungen an alle Beteiligte. So ist für Schüler, die bereits in einem anderen Land ihre Bildungslaufbahn begonnen haben, eine schnellstmögliche Fortsetzung des Bildungsweges unter Anerkennung der vorhandenen Potenziale zu gewährleisten. Bei Schülern, die in Sachsen oder der Bundesrepublik Deutschland geboren sind, ist der Fokus auf Deutsch als Bildungssprache bei gleichzeitiger Anerkennung der Zwei- und Mehrsprachigkeit und deren Verankerung im Schulalltag zu legen. Die Rahmenbedingungen zur Umsetzung dieser unterschiedlichen Anforderungen sind durch die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten gegeben.

Ebenso notwendig sind ein weltoffenes und gutes Klima in den Kindertageseinrichtungen und Schulen und interkulturell kompetente Akteure. An Schulen mit einem integrationsfördernden Klima erkennt man die Vielfalt der Schülerschaft bereits im Schulprogramm und die vorhandene Sprachenvielfalt im Schulgebäude. Ganztagsangebote sollten auf die Mitwirkung von Menschen mit Migrationshintergrund, z.B. Künstlern, nicht verzichten.

Eine gelingende Integration bedarf auch einer kontinuierlichen Qualifizierung aller Beteiligten. Für den vorschulischen Bereich wird eine gezielte Fort- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflegepersonen auf der Grundlage des im Rahmen des Landesmodellprojektes „Sprache fördern“ entwickelten Fortbildungskonzepts angestrebt. Im Bereich der schulischen Bildung werden Fortbildungen u. a. zur sprachlichen Bildung und Unterrichtsentwicklung angeboten.

Bei einem professionellen Umgang mit sprachlicher, kultureller und sozialer Heterogenität und Vielfalt erschließt sich eine wertvolle Ressource für alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

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Ansprechpartner

Koordinatoren/Koordinatorinnen für Migration/Integration (10. August 2016)

Informationsmaterial

Bild: Wege der Integration

Wege der Integration (Grafik)

Faltblatt »Willkommen an sächsischen Schulen« in den Sprachen

Bild: Faltblatt „Willkommen an sächsischen Schulen“

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Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

Bild: START-Stiftung

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