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Zitat

Für den Schulgebrauch stellt sich die Frage: Welche rechtlichen Folgen können sich beim Zitieren ergeben? Hier ist zunächst auf die Regelungen im Urheberrechtsgesetz, etwa in § 51 UrhG (sog. Zitatrecht) und in § 16 UrhG (Vervielfältigungsrecht) zu verweisen. Da falsche Zitate – wenn überhaupt – im Allgemeinen nur dem die Arbeit kontrollierenden Lehrer auffallen, kann der Urheber in den seltensten Fällen seine Rechte aus § 106 ff. UrhG (Urheberrechte sind strafbewehrt!) geltend machen.

Das Anwendungsfeld in der Schule wird also in Bezug auf den Schüler meist woanders liegen. Denn wenn jemand Zitate anderer nicht kenntlich macht und sie damit als eigenen Text ausgibt, also ein Plagiat erstellt, muss darin nicht zwangsläufig ein Urheberrechtsverstoß gesehen werden – ein solches Verhalten kann aber trotzdem rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Im Folgenden werden einige Fälle vorgestellt.

Fall 1

Die Fachschaft Französisch stellt bei der Durchschau der Lehrbücher fest, dass für die an dieser Schule praktizierte Form des Französischunterrichtes kein Buch richtig taugt. Sie beschließen, selbst zu Werke zu gehen. Aus dem Werk Bonjour 1 des K-Verlages und dem Werk Aujourd‘hui des C-Verlages gestalten sie unter Verwendung von Seiten dieser Bücher ein 100 Seiten starkes Lehrbuch und kopieren dafür alles zusammen.

Da sie Bedenken haben, Urheberrechte zu verletzen, und es ihnen auch praktischer vorkommt, schreiben sie einige Teile des Werkes ab und versehen die dort handelnden Personen mit Namen von Austauschschülern. Da sie das Urheberrecht nicht verletzen wollen, steht auf jeder kopierten Buchseite unten die Quelle. Die so gewonnenen Lernmittel werden an die Schüler ausgegeben.

Fall 1 - Lösung

Dieses Vorgehen ist unzulässig.

Hier wurde im Prinzip alles falsch gemacht. Auf ein Recht zum Kopieren, das es in der Schule in begrenztem Umfang gibt (Näheres dazu hier ), können sich die Lehrkräfte der Fachschaft nicht berufen. Denn Unterrichtswerke dürfen nur bis zur 10 %-Grenze kopiert werden.

Unterrichtswerke wie auch andere Werke dürfen nicht – nicht einmal unter Quellenangabe – anders zusammengestellt werden. Denn das Zitatrecht nach § 51 UrhG darf nicht als Vorwand dafür genutzt werden, die urheberrechtlichen Regelungen zum Kopieren, also zum Vervielfältigen, zu umgehen. Hier entsteht etwas Neues, aber eben nichts Eigenes, da hilft auch die Namensumbenennung nichts. Sicher dürfte man Gedanken und Ideen anderer Bücher aufgreifen, aber man müsste eben selbst ein Buch schreiben, sich frei geistig auseinandersetzen – dies ist hier offenbar nicht geschehen.

Des Weiteren ist die geistige Auseinandersetzung auch nicht schon in dem Zusammensuchen der passenden Lehrbuchseiten zu sehen – eine bloße Sammlung an sich ist keine schöpferische Leistung. Es hilft auch nichts, sich zu sagen, das "Buch" wurde ja nur in der Schule verwendet. Die Rechte der Schulbuchautoren und ihrer Verlage (Kopiergrenze, Verarbeitung des Werkes, Veröffentlichung etc.) sind hier verletzt. Schule ist kein rechtsfreier Schutzraum – auch wenn das Urheberrecht beschränkt ist, um dem Unterrichtungsinteresse zu genügen.

Fall 2

Für die Teilnahme an der Abiturprüfung fehlt Schüler X noch ein Leistungsnachweis. Auf Grund einer Erkrankung bekommt er die Möglichkeit, eine Hausarbeit anzufertigen. Er weiß, die daraus resultierende Note wird maßgeblich sein für das Bestehen des Kurses.

Dieser Kurs muss durch ihn auch bestanden werden, sonst kann die Zulassung zum Abitur in Frage stehen. Der Schüler ist knapp dran und hat im Übrigen meist geträumt, wenn die Lehrerin erklärt hat, wie man korrekt zitiert und wie Quellenangaben gemacht werden. Des Weiteren nervt ihn das ewige Nachgesuche hinsichtlich der von ihm aus verschiedenen Internetadressen herausgesuchten Zitate, die er sich zuweilen nur als Text gespeichert hatte. Er gibt die Arbeit ab. Die Lehrerin bemerkt, dass zum Teil mehrere Seiten aus Werken der Sekundärliteratur übernommen wurden. Sie gibt 0 Punkte. Der Schüler wird nicht zu den Abiturprüfungen zugelassen.

Fall 2 - Lösung

Das Vorgehen des Schülers war unzulässig.

Das Problem liegt hier nicht so sehr im Urheberrecht. Hier ist vielmehr die Frage, ob die Nichtzulassung zum Abitur auf Grund der Bewertung nach schulrechtlichen Maßstäben rechtmäßig war. Dazu führt das VG Ansbach aus:

"Für eine nicht unter Aufsicht anzufertigende schriftliche Hausarbeit ist es essenziell, dass der Bearbeiter die für den Erfolg maßgeblichen Leistungen persönlich und unverfälscht erbringt. Nur dann ist es im Hinblick auf die Chancengleichheit aller Prüflinge gerechtfertigt, ihm das Ergebnis seiner Arbeit zuzuerkennen … Dies gilt grundsätzlich auch für die … Seminararbeit, bei der die Verwertung von Fachliteratur zwar ausdrücklich zum Wesen einer derartigen wissenschaftlichen Arbeit gehört, jedoch dann unerlaubt ist, wenn der Schüler die von ihm verwertete Literatur nicht angibt oder gar fremde Texte wörtlich übernimmt, ohne kenntlich zu machen, dass es sich um ein Zitat handelt." (VG Ansbach, Beschluss vom 14.04.2011, AN 2 E 11.00726 m. w. N.).

Fall 3

Der Schüler X handelt wie in Fall 2. In seiner Schule sind jedoch auf Grund verschiedener Wechsel der Lehrkräfte die Grundlagen des korrekten Zitierens nie gelehrt worden. Ändert das etwas?

Fall 3 - Lösung

In einem solchen Einzelfall kann das Vorgehen des Schülers zulässig sein.

Hat der Schüler das Zitieren üben sollen und dasselbe schluderig vollzogen, sieht die Sache ggf. wieder anders aus. Daher kann es auch in krassen Fällen, wenn der Schüler nachweisen kann, dass er von den Regeln nichts wissen konnte, in solchen Fällen problematisch werden, eine Bewertung mit null Punkten zu begründen. In aller Regel wird man aber davon ausgehen können, dass ein Abiturient zitieren kann (vgl. dazu VG Augsburg, Beschluss vom 06.03.2012, Au 3 E 12.186).

Rechtslage im Detail

In Anbetracht der Fülle von Schriften zu allen Themen, mit denen sich die Menschheit beschäftigt hat, und der Tatsache, dass Wissensfortschritt in der Schule / Universität schriftgeleitet und -gestützt ist, ja eigentlich undenkbar ist ohne die vorherige Wissenserarbeitung der Altvorderen, stellt sich die Frage, wie mit deren Nutzung durch andere umzugehen ist – vom Siebtklässler bis zu allen, die schon in der Universität eine spätere Karriere im Licht der Öffentlichkeit im Blick haben.

Die Regelungen hierzu – das sind im Urheberrechtsgesetz vor allem jene, welche sich in § 51 UrhG (Zitatrecht) und § 63 UrhG (Pflicht zur Quellenangabe) finden – sind so einfach wie tückisch. Hält man sich an den 500 Jahre lang richtigen Ratschlag „ad fontes“ („[zurück] zu den Quellen“) und kennzeichnet man dann diese Quellen, aus denen man schöpfte, korrekt, ist man auf der sicheren Seite.

Allerdings darf man aus allen Quellen nur schöpfen, um eine eigene Kreation zu schaffen. Die Zitate sind also gedacht als Stützstäbe der Treppe eigener Gedanken, Reflexionen und Erkenntnisse (das ist in §51 UrhG damit gemeint, dass „die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt“ sein muss, der sog. Zitatzweck). Eine ausnahmslose Aneinanderreihung von noch so einprägsamen Zitaten ist eine Zitatensammlung! Auch nützt es nichts, in einem Passus eines für passend befundenen Werkabschnittes hier und da ein Wort umzustellen, ansonsten den Inhalt zu übernehmen und hieraus nur kurze Stücke als Zitat zu kennzeichnen – denn das Zitat muss dem Werk dienen.

Der Plagiator nun ist derjenige, der genau hier Fehler macht. Ein Plagiat liegt dann vor, wenn der Ersteller des "neuen" Werkes die Herkunft in irgendeiner Weise verschleiert. Auf Grund dieser falschen Handhabung der Aneignung von Werken anderer entsteht dann der – falsche – Eindruck, dass das Werk oder Teile desselben eine geistige Leistung im Extremfall nur des Autors sind. Zur rechtlichen Beurteilung eines solchen Vorgehens in der Schule kommt es dann auf die Regelungen im jeweiligen Prüfungs- und Schulrecht an.

Stand: August 2013

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